Jägerschnitzel to go

Adventsaktion des "Kochlöffel" am 17.12.2020

Mit einer Abholaktion vor Weihnachten verabschiedete sich das "Kochlöffel"-Team von seinen Gästen und ging danach in die verlängerten Weihnachtsferien. Seit Anfang März 2020 hatte es coronabedingt keinen Gemeindemittagstisch mehr gegeben. 1 Woche vor Heiligabend packten die Mitarbeitenden nun Essenspakete für die Bewohnerinnen und Bewohner. Viele freuten sich, beim Abholen des Essenspaketes alte Bekannte wiederzusehen oder wenigstens ein bisschen "Kochlöffel"-Gefühl zu spüren.

Lions Club Marburg-Elisabeth von Thüringen spendet für den "Kochlöffel"

1.500 Euro für eine Industriegeschirrspülmaschine

Schon lange hatten sich die Ehrenamtlichen des "Kochöffel" eine Geschirrspülmaschine gewünscht, die das Arbeiten in der Spülküche leichter und effektiver macht. Eine Spende des Lions Clubs half, dass der Wunsch demnächst in Erfüllung gehen kann. Die Spende übergaben Dr. Martina Rottmann, Vorsitzende des Fördervereins, Prof. Dr. Egon Amann, Vorsitzender des LC Marburg-Elisabeth von Thüringen und Klaus Kaiser, Mitglied des LC. Inge Pieh, Peter Jödicke und Pfarrer Oliver Henke nahmen die Spende dankend entgegen.

Hallo, ich bin ...

… Ramzi Aljat! Ramzi ist unser Koch. Ursprünglich hat er eine Ausbildung zum Funktechniker gemacht und in diesem Beruf gearbeitet. Weil man aber in Damaskus, wo er herstammt, mit 2 Jobs besser lebt, hat er abends noch in der gehobenen Gastronomie gearbeitet. Diese Erfahrungen nahm er 1991 mit nach Deutschland und arbeitete zeitweise als Geschäftsführer von syrischen Restaurants. Am „Kochlöffel“ gefällt ihm die Gemeinschaft zwischen Team und Gästen, die offene und freundliche Atmosphäre und das ökumenische Miteinander. Das wird bei Ramzi und im „Kochlöffel“ groß geschrieben; wichtig ist der Respekt voreinander.

Denn neben dem „Kochlöffel“ ist Ramzi Aljat in verschiedenen Gremien aktiv, u. a. vertritt er die orientalischen Christen des Vereins „Sankt Michael“ in der Marburger Öffentlichkeit. In diesem Verein herrscht auch eine große ökumenische Offenheit. Er ist außerdem Mitglied des Pfarrgemeinderats der katholischen Liebfrauengemeinde und des Vorstands des Bewohnernetzwerks für soziale Fragen (BSF e. V.). Sein Wunsch für den „Kochlöffel“ ist ein großes Sommerfest mit vielen Gästen und viel Sonnenschein. Vielleicht klappt es ja.

Projektbeschreibung

Projektkontext

Die Evangelische Kirche am Richtsberg ist Kirche im und für den Stadtteil Richtsberg. Sie nimmt an der Gemeinwesenarbeit teil, die von der Stadt Marburg unterstützt und durch Vereine und Initiativen gestaltet wird. Durch die Kooperation ist es möglich, das Zusammenleben der ca. 9.000 Einwohner mit oder ohne Migrationshintergrund auf eine gute Basis zu stellen. Der Schwerpunkt der Kirchengemeinde liegt in der sozial-diakonischen Arbeit. Neben der aufsuchenden Jugendarbeit bietet die Kirchengemeinde im Stadtteil einen Gemeindemittagstisch an. Der Impuls zur Projektidee „Gemeindemittagstisch“ kam von Stadtteilbewohner*innen. Sie wünschten sich eine Suppenküche als Treffpunkt für Bedürftige. Der Plan, einen Mittagstisch anzubieten, wurde 2017 konkreter gefasst, als der Kirchenvorstand sich mit Anregungen vom Kirchentag in Berlin befasste. Mitglieder des Kirchenvorstands besuchten im August 2017 ein erfolgreiches Gemeindemittagstischprojekt in der Region, um sich vor Ort zu informieren. Vor allem das ehrenamtliche Engagement, aber auch die Idee, durch Essen Gemeinschaft und Teilhabe zu ermöglichen, überzeugte. Der Kirchenvorstand entschied sich daraufhin, das Projekt „Gemeindemittagstisch“ zu planen und umzusetzen. Ende 2018 wurde das Projekt gestartet.

Projektziel

Menschen werden unabhängig von Alter, Geschlecht, religiöser, kultureller oder ethnischer Zugehörigkeit angesprochen. Es wird ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht und soziale Armut bekämpft.

Hintergrund: Essen spielt in allen Kulturen eine hervorgehobene Rolle. Es stiftet über die Funktion der Sättigung hinaus Gemeinschaft und Teilhabe. Gemeinsam essen ist ein kulturelles Gut. Bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen haben dazu geführt, dass das Essen in Gemeinschaft nicht mehr selbstverständlich ist: In Familien haben die Mitglieder unterschiedliche Essenzeiten, Alleinstehende essen unregelmäßig und für sich. Bei vielen Hausbesuchen entstanden Kontakte zu älteren Menschen oder Alleinerziehenden, die aufgrund verschiedener Gegebenheiten isoliert leben. Die Wohnsituation fördert Vereinzelung und in bestimmten Fällen Vereinsamung. Durch das Projekt will die Kirchengemeinde Menschen die Möglichkeit geben, mit anderen zusammen zu essen und ein Stück gemeinsamen Alltag zu erleben.

Projektumsetzung – Der Gemeindemittagstisch als ökumenisches Projekt

Das Projekt wird von einem Ausschuss begleitet, der sich aus Mitgliedern der beiden im Ökumenischen Zentrum beheimateten Kirchengemeinden (Liebfrauen und Evangelische Kirche am Richtsberg), der syrisch-katholischen Gemeindegruppe „Orientalische Christen Sankt Michael“ und dem Ortsbeirat zusammensetzt. Die Einsetzung eines Begleitausschusses unter Beteiligung sämtlicher Kooperationspartner wurde schon in der aufsuchenden Jugendarbeit (Richtsberg Mobil) etabliert und hat sich bewährt.

Der Gemeindemittagstisch ist konzeptionell darauf ausgerichtet, ein Angebot „von Richtsbergern für Richtsberger“ zu sein. Wir möchten Bewohner*innen zur ehrenamtlichen Mitarbeit motivieren und ihnen damit Teilhabe an der Gemeinwesenarbeit ermöglichen. Neben dem Begleitausschuss hat sich ein 25-köpfiges Team aus Mitarbeitenden gebildet, die fast alle auf dem Richtsberg beheimatet sind und die kulturelle Vielfalt auf dem Richtsberg abbilden. Die Ehrenamtlichen stammen aus Deutschland, Syrien, dem Irak, Polen, Spanien und den GUS-Staaten. Das Alter reicht von Mitte zwanzig bis achtzig Jahre. Das Helferteam erhielt durch den vom Gesundheitsamt geforderten und angebotenen Lehrgang für Mitarbeitende im Lebensmittelbereich die nötigen Grundkenntnisse im Umgang mit Lebensmitteln. Die Ehrenamtlichen treffen sich alle 2 Monate, um über die Erfahrungen im Projektalltag zu sprechen und Anregungen sowie Kritik an den Begleitausschuss weiterzugeben. Das Team wird von einem Teamleiter betreut, der von der Gemeinde angestellt worden ist und über Spenden finanziert wird. Er ist für die wöchentliche Organisation, den Einkauf und die Einteilung der Aufgabenfelder verantwortlich. Der Teamleiter bringt Erfahrungen in der Gastronomie mit.

Einmal in der Woche bietet ein Team aus Freiwilligen im Ökumenischen Zentrum ein Mittagessen an. Das Essen beziehen wir über einen Caterer. Leider verfügt die Kirchengemeinde nicht über die betrieblichen Voraussetzungen, um Essen in der vorhandenen (Tee-)Küche des Ökumenischen Zentrums Thomaskirche zuzubereiten. Dafür wären aufwändige bauliche Maßnahmen nötig. Die Kooperation mit dem Caterer läuft sehr gut und liegt preislich im Kostenrahmen (4,50 Euro pro Mahlzeit), der auch beim Selbstkochen anzusetzen wäre. Dennoch wollen wir langfristig dazu übergehen, dass das Team in einer angemieteten oder überlassenen Großküche kocht.

Der Mindestpreis für ein Mittagessen ist auf 1,50 Euro festgelegt. Die Teilnahme am Mittagessen soll einerseits nicht an der finanziellen Situation der Gäste scheitern, andererseits ist der Gemeindemittagstisch keine Suppenküche oder eine Variante der Tafel, sondern ein altersübergreifender Ort der Begegnung und der Gemeinschaft sein, s.o. Die Finanzierungslücke zwischen Preis pro Essen (Caterer) und dem Symbolpreis von 1,50 Euro ist erheblich und nicht wirtschaftlich. Wir machen aber die Erfahrung, dass ein Großteil der Gäste größere Beträge einzahlt, dass sich ca. 60 % der Kosten wieder einspielen. Die Restsumme wird über Spenden gegenfinanziert

Finanzierung

Wir finanzieren das Projekt zu einem erheblichen Teil über Spenden.

Fazit

Das gemeinwesenorientierte und diakonische Profil unserer Kirchengemeinde mit Blick auf den Stadtteil führt zu vier Grundpfeilern unseres Projekts:

 

  • Das Angebot ist durch Niederschwelligkeit geprägt und dadurch für die Bewohner*innen des Stadtteils einladend.
  • Das Angebot der Mitwirkung. Interessierte Stadtteilbewohner*innen werden angesprochen und eingeladen, das Team der Ehrenamtlichen zu verstärken. So können Menschen, die nach einer sinnvollen Betätigung suchen, in das Projekt integriert werden.
  • Wir arbeiten in enger Kooperation mit Partnern zusammen und schaffen damit eine positive Vernetzung der Gemeinwesenträger im Quartier.
  • Durch nachhaltige Begleitung und Förderung kann die Inklusion von sozial-benachteiligten Menschen, die schon lange im Stadtteil wohnen, als auch derjenigen, die als Zugezogene oder Geflüchtete ihren Platz im neuen Umfeld suchen, gelingen.

Kochlöffel beim Move it!-Wettbewerb 2019

Der Kochlöffel schafft es unter die Preisträger

"Move it!" ist Bestandteil der Integrationsarbeit in Marburg. Jedes Jahr können sich Vereine, Schulen, Initiativen, Organisationen am Wettbewerb beteiligen. Am diesjährigen Wettbewerb beteiligten sich rund 400 Jugendliche und Erwachsene mit ihren Projekten. Der Kochlöffel konnte dabei einen 3. Platz erzielen. Darüber freuten sich die anwesenden Team-Mitglieder Regina Drechsel, Martin Gerke und Peter Jödicke sowie Elisabeth Kuzin und Sophia Valentina Gejer, die das Präsentationsplakat gestaltet hatten.

15. Internationales Marburger Suppenfest

Das "Kochlöffel"-Team um Koch Christoph Terno hat mit seiner Suppenkreation "Roter Oktober" beim diesjährigen Suppenfest in der Richtsberger Gesamtschule den 1. Platz in der Jury-Wertung und den 2. Platz in der Publikumswertung erzielt. Wir gratulieren dem Team sehr herzlich.

Roter Oktober (Rezept für 4 Personen)

ZUTATEN

  • 750 g Bete (roh, nicht gekocht)
  • 1 große Zwiebel
  • 3 cm Ingwer (geschält)
  • 1 Birne (ggf. etwas mehr zum Servieren)
  • 500 ml Gemüsebrühe
  • 1 Dose Kokosmilch
  • 500 ml Apfelsaft
  • 1 Bio-Limette (Saft und abgeriebene Schale)
  • etwas Öl
  • zum Abschmecken: Apfelessig, Salz, Pfeffer
  • zum Servieren: gewürfelte Birne, je nach Geschmack Petersilie, Koriander, Dill

ZUBEREITUNG

  • klein geschnittene Zwiebel und Ingwer in Öl andünsten
  • geschäte gewürfelte Rote Bete sowie Birne hinzugeben und mitdünsten
  • mit Gemüsebrühe ablöschen und köcheln lassen, bis Gemüse und Obst gar sind
  • Apfel- und Limettensaft sowie Kokosmilch hinzugeben
  • pürieren und geriebene Limettenschale hinzugeben
  • abschmecken mit Salz und Apfelessig
  • mit gewürfelter Birne, je nach Geschmack mit Petersilie, Koriander, Dill servieren

Der Kochlöffel

Der Kochlöffel

Ein Gemeindemittagstisch namens "Kochlöffel"

Am 5. Dezember feierten wir im Ökumenischen Zentrum mit vielen Gästen den 1. Geburtstag des „Kochlöffel“. Der Tag gab uns die Gelegenheit, zusammen mit unseren Kooperationspartnern von der katholischen Kirchengemeinde Liebfrauen, den altorientalischen Christen „Sankt Michael“ sowie dem Bewohnernetzwerk für soziale Fragen (BSF) auf eine bewegte und spannende Zeit zurückzuschauen und mit Freude zu sehen, wie sich das Projekt bislang entwickelt hat. 

Unsere Erwartungen hat der „Kochlöffel“ übertroffen, was die Anzahl unserer Gäste, aber auch das Team der Ehrenamtlichen angeht. In beiden Bereichen sind wir sowohl von der Resonanz als auch dem stetig wachsenden Team überrascht worden. 

Aktuell besuchen bis zu vierzig Personen den Kochlöffel. Davon sind gut zwei Drittel Stammkunden aus allen Bereichen des Stadtteils. Die Zusammensetzung ist so bunt wie der Stadtteil. Jeden Donnerstag treffen sich Ältere und Junge. Menschen, die finanziell abgesichert sind und vor allem die Gemeinschaft suchen, treffen auf Menschen, die in prekären finanziellen Verhältnissen leben. Ein erheblicher Teil unserer Gäste hat Migrationshintergrund. Das macht den Reiz dieses Angebots aus. 

Das gilt in gleicher Weise von dem Team. Mittlerweile zählen 25 Freiwillige dazu, die zum Großteil nicht zu unserer Kirchengemeinde gehören, sich aber stark mit dem Projekt identifizieren. Sie bringen sich nach ihren Möglichkeiten ein, dafür bieten wir ihnen Fortbildungsangebote der Freiwilligenagentur sowie regelmäßig stattfindende Treffen. Die Treffen dienen der Beteiligung der Ehrenamtlichen an wichtigen Entscheidungsprozessen und bieten Raum für Anregungen und Kritik.

In diesem Jahr nahm das Team unter anderem am Richtsberger Suppenfest teil sowie am Elisabeth-Sozialmarkt und dem Integrationswettbewerb „Move it!“ der Stadt Marburg. Über diese öffentlichkeitswirksamen Aktionen versuchen wir, ein Zeichen für das sozial-diakonische Engagement evangelischer Kirchengemeinden in Marburg zu setzen, die sich auch auf anderen Feldern wie z. B. dem Kirchenasyl bewährt hat.

Aus dem Projekt heraus haben sich Gäste zu einem Spielkreis zusammengefunden, der sich nun regelmäßig zum Spielen im Ökumenischen Zentrum treffen wird. Einige Mitglieder des Kochlöffel-Teams kommen ab und an zu einem offenen Gesprächsabend zusammen.

Neben dem Erfreulichen gibt es auch Herausforderungen. Dazu zählen weiterhin die Finanzierung des Projekts sowie die fehlende Küche. Bislang hatten wir mit dem Caterer „Integral“ einen verlässlichen und guten Partner, und die Zusammenarbeit konnten wir bis Ende 2020 sichern. Zu den Zielen des Projekts gehört allerdings, dass das Team eigenständig kocht. Dazu benötigen wir aus Mangel an einer eigenen geeigneten Küche einen Kooperationspartner, der eine Großküche vorhält. Die Suche nach einem Partner erweist sich als zäh.

Wir sind sehr dankbar für die Anschubfinanzierung, die uns der Kirchenkreis gewährte, und über Spenden und Kollekten. Mit den Mitteln stehen wir bis Mitte nächsten Jahres auf festen Füßen. Aber auch darüber hinaus hoffen wir auf eine Zukunft für den „Kochlöffel“ im Interesse unserer Gäste und natürlich des Teams.

Spendenkonten

Spenden unter dem Stichwort „Gemeinde Am Richtsberg“ an das Kirchenkreisamt Kirchhain-Marburg.

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Kontakt

Gemeindebüro
Chemnitzer Str. 2
35039 Marburg
Telefon: 06421-419 90

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