Richtsberg Mobil

Das Richtsberg Mobil ist unser gemeinwesendiakonisches Projekt der Ev. Kirche am Richtsberg, einem sozialen Brennpunkt, in Kooperation mit der BSF, dem freien Jugendhilfeträger vor Ort. Es richtet sich an Kinder & Jugendliche aus sozial belasteten Familien und Flüchtlingsfamilien. Ziel ist es, soziale Armut zu bekämpfen und Jugendlichen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Mit einem Bus sind unsere Mitarbeiter dreimal pro Woche vor Ort unterwegs, begleiten und fördern Jugendliche.

Projektbeschreibung

Projektkontext

Der Richtsberg ist ein Stadtteil mit erhöhtem besonderem Förderbedarf in Marburg. Er ist Marburgs größter und kinderreichster Stadtteil. An der Spitze in Marburg steht der Richtsberg auch in Hinblick auf Haushalte, die ALG-II beziehen oder ihr geringes Einkommen durch staatliche Leistungen aufstocken müssen.

Über zwei Drittel der Bewohner/innen haben einen Migrationshintergrund. Mindestens 40% der Bewohner/innen sind Aus- und Übersiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. Insgesamt leben etwa 90 Nationalitäten am Richtsberg. Seit zwei Jahren werden verstärkt geflüchtete Menschen – insbesondere Familien – im Stadtteil untergebracht.

In der Vergangenheit fiel auf, dass es eine größere Anzahl von Jugendlichen unterschied- licher Herkunft und Religion gibt, die sich durch die vorhandenen Angebote nicht oder kaum ansprechen lassen. Gerade auf dem Oberen Richtsberg mit zwei Schulen, Gemein- schaftseinrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten und anderen häufig frequentierten Orten suchen sie sich ihren Platz. Dort fallen sie zum Teil durch ihr Verhalten, Alkohol- und teilweise auch Drogenkonsum auf. Viele der Jugendlichen haben wenig bis keine Unter- stützung aus den Elternhäusern, die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten leben von ALG- II, Schulkarrieren sind häufig von Schulwechseln und -abbrüchen gezeichnet und die beruflichen Perspektiven sind mangels elterlicher Unterstützung eher schlecht.

Gerade das Miteinander und die Inklusion von Flüchtlingen und Einheimischen sind in den letzten Monaten zu einer Herausforderung geworden. Zum einen benötigen die neuen Bewohner des Stadtteils Unterstützung hinsichtlich Sprache, der Anbindung an sozialräumliche Strukturen und der Suche nach schulischen und beruflichen Perspektiven, zum anderen bedarf es der Entwicklung einer Willkommensstruktur und dem Thematisieren von Vorurteilen unter denjenigen, die schon lange im Stadtteil wohnen.

Projektidee & Projektziele

In Stadtteilöffentlichkeit und lokaler Politik wurde seit Jahren gefordert, diesen Heraus- und Anforderungen adäquat zu begegnen. Hier setzt das Projekt „Richtsberg Mobil“, das von der Evangelischen Kirchengemeinde Am Richtsberg mit dem Projektpartner Bürgerinitiative für Soziale Fragen e.V. (BSF) ins Leben gerufen wurde, seit Januar 2012 an. Die Kooperation von kirchlichem und freiem Träger der Jugendhilfe ermöglicht so innovative sozialräumliche und netzwerkbasierte Gemeinwohlorientierung. Ein vom Projektpartner BSF angeschafftes Fahrzeug ist gemeinsam mit Jugendlichen zu einem „mobilen Wohnzimmer“ umgebaut worden und wird seither von ihnen „Richtsberg Mobil“ genannt. Jugendliche, die sich durch stationäre und feste Angebote nicht ansprechen lassen, werden durch mehrere PädagogInnen an ihren Treffpunkten aufgesucht. Anstelle der herkömmlichen Komm-Strukturen in der offenen und kirchlichen Jugendarbeit werden im Richtsberg Mobil bewusst neue Wege hin zu Geh-Strukturen etabliert. Das Ziel des Projektes ist, den Kindern und Jugendlichen zum einen niedrigschwellige Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten und eine positive Freizeitgestaltung zu ebnen, zum an- deren durch die offene Struktur des Projektes langjährige Kontakte aufzubauen und die Kinder und Jugendlichen durch Gesprächsangebote und Hilfestellungen zu unterstützen und zu begleiten. So werden sowohl einheimische Jugendliche als auch schon länger im Stadtteil lebende Migranten sowie kürzlich zugezogene geflüchtete Kinder und Jugendliche angesprochen, unterstützt und miteinander in Kontakt gebracht, sodass nachhaltige Inklusion im Sozialraum Richtsberg ermöglicht und das Gemeinwohl gestärkt wird.

Das „Richtsberg Mobil“ dient als mobiler Jugendraum, ermöglicht die Zugänge zu mehr Jugendlichen des Stadtteils und macht gleichzeitig auf andere Angebote für Jugendliche beider Projektpartner aufmerksam.

Bei Bedarf kann in unsere Beratungs- und Hilfsangebote (z.B. Sucht- und Drogenberatung, Kirchliche Allgemeine Sozial- und Lebensberatung des Diakonischen Werks Oberhessen, Schuldnerberatung und Sozialberatung für Jugendliche der BSF) und die fachlich passenden Angebote anderer Träger weitervermittelt und gegebenenfalls begleitet werden. In regelmäßigen Abständen werden mit den Jugendlichen „Events“ geplant und durchgeführt. Diese niedrigschwellige Präsenz im Stadtteil ist oftmals die erste Kontaktmöglichkeit für neu zugezogene und geflüchtete Kinder und Jugendliche.

Ein wichtiger Projektbestandteil ist die hohe Verortung und Akzeptanz im Stadtteil sowie generationenübergreifende Begegnung, die sich unter anderem in der hohen Spendenbereitschaft älterer Menschen, Kontaktebenen zwischen Jung und Alt sowie umfas- sender Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit (Infobriefe und –veranstaltungen, Mitarbeit in Stadtteilgremien u.a.) äußert.

Praktische Umsetzung & Projektinhalt

Für die praktische Umsetzung des Projektes sind eine Mitarbeiterin (BSF) und ein Mitarbeiter (Kirchengemeinde) angestellt, die von zwei Praktikantinnen sowie einer Honorarkraft ergänzt werden, um Mädchen und Jungen bedarfsgerechte Ansprache zu bieten. Ganzjährig ist das „Richtsberg Mobil“ dreimal in der Woche im Stadtteil unterwegs. Das angeschaffte Fahrzeug ermöglicht einen flexiblen Standortwechsel, orientiert an den jeweiligen Treffpunkten der Jugendlichen. Diese werden aktiv in ihren Lebensräumen aufgesucht und durch niedrigschwellige Aktivitäten und Angebote angesprochen (spielerische und sportliche Aktivitäten etc.). Die Beschäftigungs- und Beteiligungsmöglichkeiten orientieren sich dabei an den Interessen und Bedürfnissen der Zielgruppe. Die Angebote sind offen gehalten und nehmen das aktuelle Befinden und aktuelle Themen der Jugendlichen in den Fokus.

Das „Richtsberg Mobil“ bietet die Gelegenheit für den Kontakt zwischen unterschiedlichen Altersgruppen und Kulturen. Die Jugendlichen beteiligen sich aktiv im Projekt, bringen selbst Beschäftigungsideen ein und gestalten mit anstatt zu konsumieren.
Diese Struktur des Angebots ermöglicht den Projektmitarbeitern, Jugendlichen sowohl individuell als auch in der Gruppengemeinschaft Zeit, Beachtung, Aufmerksamkeit und Hilfestellung entgegenzubringen.

Die Kooperation zwischen den beiden Projektpartnern, Ev. Kirche am Richtsberg und Bürgerinitiative für Soziale Fragen e.V., als anerkannte und im Stadtteil verortete Organisationen, führt zu einem Miteinander für den Stadtteil. Durch diese Vernetzung wer- den Jugendliche nachhaltig sowohl im Projekt durch langfristige Begleitung in Schule und Ausbildung als auch in den bestehenden Angeboten beider Träger bedarfsgerecht gefördert. Gerade in der aufsuchenden Jugendarbeit, die sich an gesellschaftlich ausgegrenzte und in der Selbstwahrnehmung als entbehrlich empfundene Kinder und Jugendliche richtet, ist die langfristige Begleitung und Pflege von Beziehungen zwischen Mitarbeitern und Jugendlichen sowie Jugendlichen untereinander von hoher Bedeutung. Hierauf wird im Projekt besonderer Wert gelegt, um tiefgreifende Inklusion auf verschiedenen Ebenen zu gewährleisten.

Dazu trägt auch ein Begleitausschuss bei, der die Projektumsetzung in regelmäßigen Abständen plant und evaluiert. Dieser setzt sich aus Vertreter/innen des Kirchenvorstandes, der BSF und Jugendlichen aus dem Projekt zusammen, sodass sowohl benachteiligte Jugendliche als auch ehrenamtlich engagierte ältere Menschen selbst Verantwortung übernehmen, die Erfahrung der eigenen Selbstwirksamkeit machen und generationenübergreifende Partizipation ermöglicht wird.

Umfang der Arbeit

Das „Richtsberg Mobil“ ist dreimal in der Woche, montags und mittwochs (15.30-19.30 Uhr) und freitags (19.00-21.00 Uhr), an etwa acht Standorten im Stadtteil präsent.
In den Ferien und an ausgewählten Wochenenden finden besondere Aktionen mit Jugendlichen statt (Medienprojekt, Graffiti-Workshop, HipHop Konzerte, Teilnahme am Ferienprogramm etc.).

Statistiken

  • Gesamtanzahl Jugendliche 520
  • 80% mit Migrationshintergrund
  • Jugendliche aus über 35 Nationen
  • durchschnittlich 18 Jugendliche pro Tag
  • Im Jahr 2015 konnten über 100 Jugendliche neu erreicht werden.

Stand: April 2016

Unterstützung

Drei Jahre lang war die Finanzierung des Richtsberg Mobils gesichert. Jetzt beginnt die Zitterpartie. 10.000 Euro fehlen uns zukünftig jedes Jahr für das Richtsberg Mobil. Das liegt daran, dass die Startfinanzierung von der Diakonie Hessen im kommenden Jahr ausläuft. Damit das Richtsberg Mobil weiterrollen kann, bitten wir Sie um Ihre Spende. Vielleicht haben Sie 5 Euro oder sogar etwas mehr für uns übrig. Wir würden uns sehr darüber freuen und danken Ihnen schon jetzt für Ihr Interesse an unserer Arbeit und Ihre Unterstützung. Sagen Sie es gerne weiter!

Spendenkonten

Spenden unter dem Stichwort „Gemeinde Am Richtsberg“ an das Kirchenkreisamt Kirchhain-Marburg.

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Kontakt

Gemeindebüro
Chemnitzer Str. 2
35039 Marburg
Telefon: 06421-419 90

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